Transitwirtschaft: Reportage in Brand Eins

Im Reich des Präsidenten der Elfenbeinküste dämmert es. Er heißt Timite Ben Kadjal, nennt sich aber Muhammed Ali oder My Black. Das hat er auf die Innenseite seines linken Handge­lenks tätowiert, also bleiben wir dabei – My Black. Er ist der wohlhabendste Einwohner seines Reiches. Seine Residenz hat er am höchsten Ort seines Landes gewählt, von wo er seine Unter­tanen überblicken kann. Es ist kein Palast, sondern ein Zelt, es steht auf dem Berg Gourougou, zusammengeflickt aus Zweigen, Plastikplanen und alten, dreckigen Decken, die seine Vorgänger zurückgelassen haben.

Die ganze Reportage steht diesen Monat in brand eins!

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Gefangen in Libyen: Multimedia auf Zeit Online

Gefangenen Eritreer in einem Gefängnis in der Stadt Gharyan.

Am Anfang stand diese Zahl: 600.000 Flüchtlingen sollen laut dem italienischen Innenministerium in Libyen darauf warten, per Boot illegal nach Europa zu kommen. Es ist eine fragwürdig hohe Nummer, vielleicht mehr Panikmache als echte Daten, aber es ist kaum umstritten, dass Libyen das wichtigste Transitland für Flüchtlingen ist, die über das Mittelmeer nach Italien wollen. 

Seit zwei Wochen wird in Tripolis wieder gekämpft. Vergangen Samstag ging ein Benzindepot in Flammen auf. Die Deutsche Botschaft rät Bundesbürgern dringend, das Land zu verlassen. Momentan sind die Nachrichten, die aus Libyen kommen besonders dramatisch, aber was mit dem Abzug des Medientrosses aus Libyen in der westlichen Presse untergegangen ist: Seit der Revolution herrscht Chaos in Libyen. Seit 2012 gab es vier Regierungschefs – drei davon alleine in diesem Jahr. Sie hatten nie Kontrolle über das ganze Land. Milizen rivalisieren mit der Regierung und untereinander um Macht und Ressourcen. Schmugglern bietet das post-revolutionäre Libyen ideale Bedingungen für ihr Geschäft. 

Laut der EU-Grenzsicherungsbehörde Frontex sollen rund 60 Prozent aller Flüchtlingsschiffe, die an der italienischen Küste landen, in Libyen aufgebrochen sein. Die EU schickt jedes Jahr 30 Millionen Euro nach Libyen, um ihre Seegrenzen schon dort abzuschotten. Gebracht hat es wenig. Die italienische Küstenwache hat bisher 75.000 Menschen im Mittelmeer aufgegriffen, fast doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. 

Doch was ist mit den 600.000 Menschen, die in Libyen warten sollen? Wie geht es Ihnen? Warum sind sie in Libyen hängen geblieben?  Und wie kooperiert die EU mit einem Land, das keine funktionierende Regierung hat?

Vor ein paar Wochen  bin ich diesen Fragen in Libyen nach gegangen. Die Ergebnisse meiner Recherche hat das Zeit Magazin Online als multimediale Reportage veröffentlicht. Zugegeben, viel zu lesen, aber ich denke, es lohnt sich.

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Von skrupellosen Menschenschmugglern

Letzte Woche kam wieder so eine Meldung: 180 Menschen, gestorben auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa, viele davon vermutlich ermordet von verzweifelten Mitreisenden. Auf Spiegel Online lief dazu ein längerer Artikel, der den Horror an Bord detailliert schildert. Die Geschichte greift bei den Hintergründen darüber, wie es zu diesen Toten kommt, auf das Stereotyp vom skrupellosen Menschenschmuggler zurück, dem die Flüchtlinge und Migranten hilflos ausgeliefert sind. Dieses Stereotyp ist nicht immer falsch, aber im Detail oft geung. Im Text heißt es:

Die Katastrophe war absehbar, von den Organisatoren freilich locker in Kauf genommen. Die Passagiere zahlen schließlich vorab.

Das ist logisch, denkt man. Wer nicht zahlt, kommt nicht aufs Boot. Wer zahlt, ist in der Hand der Schmuggler, die kein Interesse mehr daran haben, die Menschen heil nach Europa zu bekommen. Wahrscheinlich ist das Boot völlig überfüllt und nicht seetüchtig. Was sollen die Flüchtlinge und Migranten auch machen? Zur Polizei gehen? Die nimmt sie fest, schiebt sie ab. Im besten Fall.

Doch wie die Realität so ist: Sie passt in ihrer Komplexität nicht immer in einen journalistischen Text. In diesem Fall ist es die Aussage, dass “die Passagiere vorab zahlen”, die mindestens simplifiziert. Das tun sie nämlich so gut wie nie.

Menschenschmuggel ist ein Geschäft. Es gibt Angebot und Nachfrage. Geschäftsleute (Schmuggler) reagieren auf die Bedürfnisse ihrer Kunden (Migranten und Flüchtlinge). Wie bei allen Geschäften, die eine gewisse Anzahl an Transaktionen zwischen Anbietern und Käufern hinter sich haben, haben sich hier Mechanismen etabliert, die beiden Seiten Sicherheit gewähren.

Bei Ebay gibt es zum Beispiel PayPal. Der Käufer zahlt bevor er die Ware erhält, ist aber durch den Käuferschutz von PayPal abgesichert, falls der Verkäufer nicht liefert. Das Geschäft wird zurück abgewickelt, wenn erwiesen ist, dass der Verkäufer seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Beiden ist garantiert, dass ihnen kein Schaden entsteht. Im Menschenschmuggel gibt es so ein System auch. Es heißt Hawala und funktioniert erstaunlich ähnlich wie PayPal – nur ohne Computer.

Hawala ist ein informelles, islamisches Überweisungssystem, das seine Wurzeln im frühen Mittelalter hat. Für muslimische Migranten in Europa, die ihren Familien im Heimatland Geld schicken wollen, ist es eine günstige Alternative zu Banktransfers oder Western Union.

Hawala funktioniert so: Wenn man Geld überweisen will, etwa aus Eritrea nach Libyen, geht man in Eritrea zu einem Hawala-Agenten. Dort zahlt man die Summe, nehmen wir 1.000 Dollar, und eine Kommission von 0,25 bis 1,25 Prozent ein. Der Agent hat eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung zu einem Agenten in Libyen. Der eritreische Agent ruft den libyschen Agenten an und sagt, dass er ihm 1.000 Dollar schuldet. Der Kunde, der das Geld nach Libyen schicken will, bekommt einen Code. Mit diesem Code kann man dann die 1.000 Dollar in Libyen abheben. Die Hawala-Agenten notieren die Transaktionen und rechnen die Schulden, die sie untereinander haben, gegeneinander auf.

Hawala ist das übliche Bezahlungsmittel beim Menschenschmuggel. Dabei kommt eine Besonderheit dazu: Der Schmuggler bekommt das Geld erst, wenn die die Überfahrt erfolgreich war. In einer  Reportage über eine illegale Überfahrt von Indonesien nach Australien im Magazin der New York Times ist ein konkreter Fall beschrieben:

The refugee-smuggling business is conducted almost entirely through hawala. [The smuggler's] man, Mohammad, keeps a third-story office [...]. When we got there, we found Mohammad sitting behind a desk papered with receipts pinned down against a squeaky fan by half-drunk glasses of tea.

[...] “We represent lots of smugglers,” Mohammad boasted. “For Australia and also for Europe. Every month, dozens of people give us their money.” He picked up a black ledger and waved it in the air. “Look at this notebook! I write every customer’s details in here.”

We gave him our fake names and origins. [...] Then, a bit reluctantly, I counted out $8,000 in cash. In return, Mohammad handed me a scrap of paper with our hawala codes scribbled in pen. Levan: 105. Mikheil: 106. Mohammad would withhold the money from his counterpart in Jakarta until we reached Christmas Island. This, theoretically, would preclude [the smuggler] from retrieving it prematurely. It would also ensure he would not get paid if our boat sank or if we drowned.

Nun weiß ich nicht, ob es in dem Fall, den Spiegel Online beschrieben hat, anders war. Es kann sein. Ich halte es für unwahrscheinlich und in der pauschalen Form wie es dort steht (“Die Passagiere zahlen schließlich vorab.”) für falsch.

Vor ein paar Wochen war ich in Libyen und haben mit Migranten gesprochen, die versucht haben, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen und gescheitert sind. Sie haben alle beschrieben, wie brutal die Schmuggler sie behandeln, wie rücksichtslos sie sind, wie schlecht die Zustände auf den Booten sind. Aber niemand hat Geld an die Schmuggler verloren.

Menschenschmuggel ist ein dreckiges Geschäft, das viele Menschenleben kostet. Aber die ökonomischen Abläufe dahinter sind komplexer als sie erscheinen, wenn man sich mit dem Thema oberflächlich beschäftigt.

Heute scheint die ganze Welt so nah, so direkt zugänglich. Nachrichten brauchen nur Sekunden, bis sie uns erreichen. So vieles können wir Journalisten am Schreibtisch erschließen. Aber wenn wir nicht vor Ort sind, laufen wir Gefahr, die wirkliche Geschichte zu verpassen.

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Afghan Ski Challenge in NEON

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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Afghan Ski Challenge 2014 in NEON.

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The Libyan Migrant Trap in NZZ

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Libyan Migrant Trap in Neue Zürcher Zeitung.

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Libyan Migrant Trap in Neue Zürcher Zeitung.

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Libyan Migrant Trap in Neue Zürcher Zeitung.

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Circus Revolution in NZZ

Circus Revolution in NZZ

Our story on an Italian circus stranded in Egypt was published in the recent edition of the Sunday Magazine of Switzerland’s NZZ. Simple and beautiful layout.

 

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Print Sale until 14/4/2014

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